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Wir sind die Xucker-Familie: Jenny, Christoph & Elisa

Wir sind die Xucker-Familie: Jenny, Christoph & Elisa

07.07.2026

Viele Eltern wissen gar nicht, wie viel Zucker im Alltag steckt

Die Xucker-Familie Jenny, Christoph und Tochter Elisa über Familienessen, versteckte Zuckerfallen und die Frage, warum zuckerfreie Ernährung nicht freudlos sein muss.

Als Jenny und Christoph vor zwei Jahren erfuhren, dass ihre Tochter Elisa eine seltene Stoffwechselerkrankung hat, wurde Ernährung plötzlich zu einer neuen Herausforderung. Elisa muss ketogen essen: sehr wenig Kohlenhydrate, kein klassischer Zucker, wenig Eiweiß, viel Fett. Was für viele nach medizinischem Spezialfall klingt, wurde für die Familie schnell zu einer größeren Frage: Warum ist es eigentlich so schwer, gute, verständliche und alltagstaugliche Informationen über Ernährung zu finden? Und warum wissen viele Familien so wenig darüber, was sie ihren Kindern täglich geben? Aus dieser Erfahrung entstand ihre Webseite www.butterundavocado.de und die Botschaft: Zuckerfrei oder zuckerreduziert muss nicht streng, traurig oder kompliziert sein.

Es gibt so viel Inhalte über ketogene Ernährung. Warum habt ihr „Butter und Avocado“ gegründet?

Wir wollten zeigen, dass ketogene oder zuckerfreie Ernährung auch bunt und familientauglich sein kann. Viele Eltern, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, suchen nicht nach einer perfekten Theorie. Die suchen nach etwas, das morgen beim Frühstück, beim Kindergeburtstag oder im Kindergarten funktioniert.

Hat euch überrascht, wie wenig Orientierung es gibt?

Total. Das war einer der Hauptgründe, warum wir angefangen haben. Wir hatten am Anfang relativ wenig Anleitung und haben uns Informationen aus ganz vielen Quellen zusammengesucht: Bücher, Google, KI, Erfahrungsberichte. Es gibt zwar viel zu Keto, aber häufig ist das Lifestyle-Keto, das als Diät aus Amerika rübergeschwappt ist. Und dann gibt es den streng medizinischen Bereich. Der ist wichtig, aber als Eltern sitzt du davor und denkst: Wie soll unser Leben damit noch normal funktionieren?

Was fehlt aus eurer Sicht am meisten?

Eine verständliche und praxisorientierte Übersetzung in den Alltag. Nicht nur: Das darfst du, das darfst du nicht. Sondern: Wie backe ich Waffeln? Was gebe ich meinem Kind mit? Wie erkläre ich es der Familie? Was mache ich an Weihnachten, im Schwimmbad, zum Geburtstag? Genau da entsteht die Unsicherheit.

Diese Unsicherheit betrifft aber nicht nur Familien mit einer Diagnose, oder?

Nein, überhaupt nicht. Wir merken ja, wie viele Menschen grundsätzlich wenig darüber wissen, was in Lebensmitteln steckt. Und ich nehme uns da gar nicht aus. Wenn wir Elisas Diagnose nicht bekommen hätten, hätten wir wahrscheinlich genauso weitergemacht wie vorher. Erst als wir gezwungen waren, genauer hinzuschauen, haben wir gemerkt, wie viel sich verändert.

Was hat sich denn konkret verändert?

Bei uns selber sind Müdigkeit und Kopfschmerzen weniger geworden. Unsere Haut, der Stoffwechsel und das ganze Körpergefühl haben sich deutlich verbessert. Bei Elisa hat die ketogene Ernährung Stabilität und merkliche Fortschritte in der Entwicklung gebracht. Wir wundern uns immer wieder, was Ernährung bewirken kann.

Viele Eltern würden wahrscheinlich sagen: Ich weiß schon, dass Zucker nicht ideal ist. Aber im Familienalltag fehlt die Zeit.

Genau das ist der Punkt. Sich bewusst zu ernähren, kostet erst einmal Anstrengung. Es ist einfacher, schnell beim Bäcker ein Croissant zu holen oder im Supermarkt ins Joghurtregal zu greifen, ohne lange nachzudenken. Zwischen Job, Kita, Schule, Haushalt und Terminen haben viele Familien nicht die Kraft, jedes Etikett zu studieren. Aber genau deshalb ist es so schwierig. Denn der Alltag ist voll von Produkten, die gesund aussehen, es aber nicht unbedingt sind.

Was ärgert euch besonders daran?

Dass so viel irreführend wirkt. Da sind bunte Figuren drauf, es steht „weniger süß“, „ohne zugesetzten Zucker“ oder „High Protein“ drauf. Und viele denken: Super, dann ist das gut. Aber wenn man genauer hinschaut, merkt man, dass das oft nicht so einfach ist. Die Informationen stehen zwar hinten auf der Verpackung, aber so, dass viele sie nicht wirklich verstehen. Man muss sich schon intensiv damit beschäftigen.

Wer trägt die Verantwortung?

Die Verantwortung liegt natürlich primär erstmal bei jeder Familie selbst. Aber ohne dogmatisch sein zu wollen: Die Lebensmittelindustrie trägt ebenfalls eine große Verantwortung und nimmt ja direkt Einfluss. Gerade bei Kinderprodukten. Was spricht dagegen, Produkte, die offensichtlich an Kinder verkauft werden, ein bisschen besser zu machen? Warum muss ein Joghurt mit einer Kinderfigur gleichzeitig so süß sein? Da geht es nicht darum, alles zu verbieten. Aber darum, Verantwortung ernst zu nehmen.

Wie und wo müsste Ernährungswissen neu vermittelt werden?

Sehr früh. In der Grundschule, eigentlich schon im Kindergarten. Kinder sollten verstehen, was Essen mit ihrem Körper macht. Nicht mit Angst, nicht mit Verboten, eher praktisch. Was ist Zucker? Was macht er? Warum werde ich vielleicht nach Süßigkeiten wieder müde? Warum ist ein Joghurt nicht automatisch gesund? Das müsste Teil des Alltagswissens sein.

Also Ernährung als Schulfach?

Zumindest als fester Bestandteil neben dem, was aber auch zu Hause stattfinden muss. Es geht ja nicht darum, Kindern Pommes, Eis oder Süßigkeiten zu verderben. Aber es sollte nicht völlig normal sein, dass Kinder schon in der Grundschule ständig Zucker bekommen, ohne dass irgendjemand darüber spricht. Früher gab es in der Schule Kekse, Capri-Sonne, süße Sachen – und alle fanden es normal. Genau diese Normalität müsste man hinterfragen.

Wie erlebt ihr das auf Kindergeburtstagen oder im Kindergarten? Muss man immer erklären, dass bei euch etwas anders ist?

Es kommt auf die Situation an. Bei einem Kennenlernnachmittag im Kindergarten haben wir einfach Waffeln mitgebracht – mit Erythrit und Stevia gesüßt, mit Mandelmehl statt Weizenmehl. Die standen auf dem Tisch und waren als Erstes weg. Niemand hat gefragt: Ist das jetzt speziell? Das zeigt doch: Wenn es gut gemacht ist, muss es sich gar nicht nach Verzicht anfühlen.

Mittlerweile nutzt ihr eher Erythrit und Stevia als Xylit. Warum?

Das hängt mit der strengen ketogenen Ernährung zusammen. Xylit ist immer noch deutlich besser als klassischer Zucker, was den Blutzuckerspiegel angeht. Aber bei Elisa müssen wir sehr genau rechnen. Bei Xylit muss man einen Teil der Kohlenhydrate berücksichtigen. Deshalb nutzen wir häufiger Erythrit und Stevia. Xylit kann aber bei bestimmten Sachen, zum Beispiel Marmelade, trotzdem gut funktionieren. Wichtig ist: Man muss wissen, was man tut.

Euer Rat an Eltern, die merken: Wir müssten etwas ändern, wissen aber nicht, wo wir anfangen sollen?

Findet euren größten Zucker-Treiber. Bei mir war es früher der Zucker im Kaffee. Bei anderen sind es Joghurts, Frühstücksprodukte, Getränke oder Snacks. Man muss nicht sofort alles perfekt machen. Irgendwo muss man anfangen. Oft merkt man dann: So schwer ist der erste Schritt nicht.

Ihr habt es ziemlich radikal gemacht, oder?

Ja. Bei uns war es eine Notsituation. Nach der Diagnose habe ich noch in der Nacht alles aussortiert, was nicht mehr passte. Das ist für Familien ohne Diagnose vielleicht zu hart. Aber ich glaube schon: Wenn man wirklich etwas verändern will, hilft es, nicht ewig zu warten. Kleine Schritte sind gut, aber sie müssen auch passieren.

Was wäre denn eure wichtigste Botschaft an Familien?

Du musst nicht alles richtig machen. Aber du solltest wissen, was du tust. Ernährung ist kein Nebenthema, gerade bei Kindern. Wenn du verstehst, was im Essen steckt, kannst du bessere Entscheidungen treffen – ohne deinem Kind den Spaß zu nehmen. Das ist für uns der Kern: mehr Wissen, mehr Alltag, mehr Genuss.

Ketogene Ernährung

Die ketogene Ernährung ist eine kohlenhydratarme, fettreiche Ernährungsform, bei der der Körper seine Energie hauptsächlich aus Fett statt aus Zucker gewinnt. Durch die stark reduzierte Kohlenhydratzufuhr stellt der Stoffwechsel auf Ketose um. Dabei werden Ketonkörper aus Fettreserven gebildet, die als alternative Energiequelle dienen. Typische Lebensmittel sind Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse und gesunde Öle, während Zucker, Brot und Pasta weitgehend vermieden werden.

Ihr möchtet auch eine Xucker-Familie werden?

Bewerbt euch per E-Mail an familie@xucker.de und erzählt uns:

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Ein paar Fotos helfen uns, euch kennenzulernen. Ihr bekommt auf jeden Fall eine Rückmeldung und weitere Infos. Wenn ihr ausgewählt werdet, starten wir gemeinsam eure Xucker-Mission – mit einem großen Testpaket und persönlichem Austausch.